Warum sich Väter im Büro verstecken

Was die Vereinbarkeit zwischen Familie und Karriere berufstätiger Väter angeht, stecken wir noch in der tiefsten Steinzeit. So wie damals die Erwartung war, dass er “seinen Mann steht” und die Familie mit Essen versorgt, hat sich heutzutage der Anspruch vom Erlegen eines Mammuts in Richtung Geld verdienen verschoben.

Im Prinzip hat sich aber nicht viel verändert: die Mutter bleibt in den meisten Fällen zu Hause in der Höhle bzw. in der Wohnung / im Haus, während sich der Vater um die Existenzsicherung in Form von Essen / Geld kümmert. Väter, die einen gleichberechtigten oder sogar einen größeren Teil der Betreuung der Kinder übernehmen, sind immer noch die Ausnahme und oftmals das Gespött in der Kaffeeküche so mancher Büros. Doch oft liegen die Gründe dafür bei den Vätern selbst.

Vereinbarkeit nein danke oder warum sich Väter gerne in der Arbeit verstecken

Auch wenn es mit Elternzeit, Teilzeit, Sabbatical usw. inzwischen eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, wie Väter aus der klassischen Ernährerrolle rauskommen, werden diese nur selten genutzt. Woran liegt das?

Nach einer Studie zum Thema Lebenszufriedenheit des Soziologen Martin Schröder ist bei Familienvätern die Lebenszufriedenheit dann am Größten, wenn sie 48 Stunden pro Woche arbeiten. Bei niedrigeren Wochenarbeitszeiten werden sie unzufriedener.

Vereinbarkeit, Mit wie vielen Arbeitsstunden sind Menschen zufrieden Martin Schröder, With how many working hours are people happy?

Leider wurde bei der Studie nicht zwischen Vätern, die freiwillig in Teilzeit arbeiten und solchen, die es aufgrund der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens müssen, unterschieden. Dies wurde dann in einer anderen Studie nachgeholt. Dort erklärten sich Väter mit Kindern im Alter bis zu 15 Jahren, die freiwillig nur 34 bis 38 Stunden pro Woche arbeiten, als tendenziell leicht zufriedener als vergleichbare Väter, die 44 bis 48 Stunden erwerbstätig sind. Fazit der dortigen Untersuchung ist, dass Väter, die ihre Erwerbsarbeit freiwillig etwas reduzieren und mehr Zeit für ihre Kinder haben, deswegen nicht unzufriedener sind als Väter, die ihre Vollzeitarbeit behalten. Einzige Ausnahme: Die wohl besonders motivierten Arbeitssüchtigen in hoch bezahlten Stellungen.

Anders ausgedrückt heißt das aber auch, dass nach wie vor in Teilzeit arbeitende Väter nicht automatisch deutlich zufriedener sind als in Vollzeit arbeitende Väter. Ein Ergebnis, dass einen mit vielen Fragen zurücklässt.

Über die Ursachen dieser Flucht der Väter von zu Hause verrät uns die Studie leider nichts. Man kann nur darüber mutmaßen, ob es an veralteten Rollenbildern, fehlenden Vorbildern oder auch vielleicht der Angst, alleine mit dem Kind überfordert zu sein, liegt. Ebenfalls sollte man nicht außer acht lassen, dass viele Mütter es den Vätern nicht zutrauen, sich alleine um das Kind zu kümmern. Das ist für viele Väter ein willkommenen Anlass , wie früher die meiste Zeit des Tages in der Arbeit zu verbringen.

Und, und das ist für mich der wichtigste Punkt: viele Väter wollen auch gar nicht aus der Komfortzone Arbeit raus und in das Abenteuer Kindererziehung rein. Schließlich hat man(n) es sich ja über die Jahre im Büro gemütlich eingerichtet und weiß was auf einen zukommt. Sich alleine um so ein Kind zu kümmern ist erst mal komplettes Neuland und viele Papas denken, dass ihnen das schlichtweg zu viel ist.

Neue Männer braucht das Land

Officefrei Papa mit SeifenblasenDoch gibt es, und hier spreche ich aus eigener Erfahrung, auch Väter, die die Modelle ihrer Eltern in Frage stellen und ein neues Papsein leben wollen. Gefangen zwischen Terminstress, einem schlechten Gewissen gegenüber der Familie wenn sie im Büro sind und schnell auf dem Smartphone getippten E-Mails an den Chef, während die Aufmerksamkeit auf dem Spielplatz eigentlich dem Sohn gelten sollte, werden diese Väter oft weder dem eigenen Anspruch an sich als Berufstätiger noch als Vater gerecht. Nach einigen gescheiterten Versuchen, Papasein und Karriere zu vereinbaren, werden die Bemühungen wieder eingestellt und sich auf die Arbeit konzentriert.

Doch wie ist es denn nun möglich, diese beiden unvereinbar zu scheinenden Ansprüche in Einklang zu bekommen? Bis die Bewegung der neuen Väter groß genug für einen gesellschaftlichen Wandel ist, muss jeder Einzelne, der Vereinbarkeit will, für sich selbst einstehen. Und wie so oft steckt der Schlüssel zum Erfolg im Kopf.

Was willst DU?

Eine naheliegende aber selten gestellte Frage ist: Was will ich eigentlich? Für was bin ich hier? Um viel Geld zu verdienen um mir dann die Dinge leisten zu können, von denen du denkst, dass das deinen Lifestyle ausmacht? Wir brauchen alle viel weniger Geld als wir denken, um ein befriedigendes Leben zu führen. Und für viele Menschen beginnt wahres Glück im Inneren erst dann, wenn im Außen vermeintlich alles kaputt ist. Doch soweit muss es gar nicht erst kommen. Sich die Frage zu stellen, auf was man zurückblicken will, wenn man auf dem Totenbett liegt und sein Leben Revue passieren lässt, ist meistens schon ausreichend, um Ziele und Ansprüche ins rechte Licht zu rücken.

Überlege dir mal, was dir  eine “Papakarriere” bringt. Vom zwischenmenschlichen Aspekt mal ganz abgesehen, hat mehr intensiv erlebte Zeit mit dem Nachwuchs auch ganz handfeste praktische Vorteile für dich selbst. Angefangen von einer deutlichen Persönlichkeitsentwicklung (sofern man bereit ist es zuzulassen) durch die Spiegelung deines Selbst durch dein Kind, Konfliktmanagement jeden Tag auf höchsten Niveau bis zu einer Masterclass in Zeitmanagement ist einiges für dich drin.

Wie schaffst du es jetzt also, deine Arbeit und deine Rolle als Vater zu vereinbaren? Das erfährst du im nächsten Teil unseres Artikels.

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